Ramadan: Was soll sich in dir verändern?

Alles Lob gebührt Allah. Segen und Frieden seien auf dem Gesandten Allahs und auf allen, die ihm folgen.

Allah, der Erhabene, sagt sinngemäss: «Ihr, die ihr glaubt! Euch wurde das Fasten vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben wurde, damit ihr gottesfürchtig werdet.»[1]

Liebe Geschwister, im Ramadan freuen wir uns über das Fasten, das nächtliche Gebet und die Koranrezitation. Neben diesen gottesdienstlichen Handlungen stellen wir eine Frage, die sie mit unserem Alltag verbindet: Was sollte sich in uns verändern, wenn wir hoffen, Allah gegenüber achtsamer und gottesfürchtiger zu werden?

Es heisst nicht: damit ihr müde werdet oder damit ihr hungert. Es heisst: damit ihr gottesfürchtig werdet. Gottesfurcht ist kein flüchtiges Gefühl nach dem Tarawih-Gebet und keine einzelne Träne in der Nacht der Bestimmung. Sie verändert, wer in unserem Leben die Führung übernimmt. Was lenkt dein Leben? Deine Gewohnheiten? Dein Temperament? Der Druck der Arbeit? Die Angst vor der Zukunft? Oder diese eine Frage: Was verlangt Allah jetzt von mir?

In Ausbildung und Beruf lernen wir, Termine einzuhalten, zu planen und Verantwortung zu übernehmen. Doch wie oft widersprechen wir Allahs Gebot, ohne innerlich unruhig zu werden? Wie oft verschieben wir das Gebet, als wäre es eine Nebensache? Wie oft lassen wir unsere Zunge verletzen und sagen dann: Das war nur eine kurze Aufregung? Ramadan soll nicht bloss den Essensplan verändern. Er soll die Führung von «Was will ich?» zu «Was will Allah?» verlagern.

Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte sinngemäss: «Wer falsche Rede und das Handeln danach nicht unterlässt, dessen Verzicht auf Essen und Trinken bedarf Allah nicht.» Falsche Rede umfasst Unwahrheit und Lüge. Der Hadith warnt vor einem Fasten, das nicht vom Verzicht auf Sünde begleitet wird. Es passt nicht zusammen, den Beginn der Fastenzeit genau zu beachten und bei einer Falschaussage oder der Täuschung eines Kunden nachlässig zu sein. Ebenso müssen wir unsere Zunge vor Spott, übler Nachrede und verletzenden Worten hüten.[2]

Denkt an Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen sei auf ihm. Er schwor, Misthah nicht länger finanziell zu unterstützen, nachdem dieser sich an der Verleumdung beteiligt hatte. Da wurde Allahs Wort offenbart, sinngemäss: «Sie sollen vergeben und nachsichtig sein. Liebt ihr es denn nicht, dass Allah euch vergibt?» Abu Bakr sagte sinngemäss: «Doch, bei Allah, ich liebe es, dass Allah mir vergibt», und nahm seine Unterstützung wieder auf. Hier war ein Herz verletzt worden, das sich gerade an der Stelle seines Schmerzes von Allahs Gebot leiten liess. Vergebung bedeutet nicht, dass die Verletzung nie geschehen ist. Sie bedeutet, dass der Mensch auf das hofft, was bei Allah ist, während er mit ihren Folgen umgeht.[3][4]

Auch das lernen wir im Ramadan: Ich darf zornig werden, doch mein Zorn erlaubt mir nicht, andere zu verletzen. Vielleicht sage ich: So bin ich eben. Dann erinnere ich mich daran, dass ich lernen und Allah um Hilfe bei der Veränderung bitten kann.

Allah sagt sinngemäss: «Allah verändert den Zustand eines Volkes nicht, bis sie verändern, was in ihnen selbst ist.» Vielleicht kommt und endet Ramadan, und wir verschieben noch immer dieselbe Veränderung, deren Notwendigkeit wir längst erkannt haben: derselbe Ärger, dieselbe Gewohnheit, dasselbe Aufschieben und dieselbe Nachlässigkeit nach dem Fest. Wie viele Ramadanmonate sind vergangen, in denen sich bei uns nur der Kalender verändert hat?[5]

Der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm, sagte sinngemäss: «Das Fasten ist ein Schutzschild.» Es bietet Schutz. Zu seiner erzieherischen Wirkung gehört, dass wir Selbstbeherrschung lernen und auf Kränkungen mit Besonnenheit antworten. Wenn wir uns daran gewöhnen, aus Gehorsam gegenüber Allah auf Erlaubtes zu verzichten, nutzen wir dies auch als Hilfe beim Unterlassen des Verbotenen. Die Seele kann stolpern, doch sie bereut und versucht es erneut. Sie macht ihr Temperament nicht zur Entschuldigung dafür, anderen weh zu tun.[6]

Am Ende des Tages prüfen wir neben unserem Gottesdienst: War meine Zunge wahrhaftig? Bin ich meiner Familie freundlich begegnet? Habe ich das Recht meines Kollegen geachtet? Solche Fragen helfen uns, die Wirkung des Fastens zu erkennen, und zeigen, wo Besserung nötig ist. Dabei schmälern wir nicht den Wert des Fastens, des nächtlichen Gebets und der Koranrezitation.

Wenn Ramadan verändern soll, was dein Leben lenkt, soll er auch dein Verständnis von Erfolg verändern. Wir leben in einer Welt, die Erfolg in Zahlen misst: ein höherer Lohn, eine bessere Stellung, ein höherer Abschluss, ein grösseres Haus und ein gesichertes Konto. Diese Massstäbe haben im Leben ihre Bedeutung. Die Frage ist aber: Sind sie der Massstab bei Allah?

Allah sagt sinngemäss: «Erfolgreich ist, wer sie läutert, und gescheitert ist, wer sie verkümmern lässt.» Der Erfolg, von dem Allah hier spricht, ist die Läuterung der Seele. Mehr Geld genügt nicht, wenn das Herz ihm verhaftet bleibt. Wie mancher Mensch ist beruflich erfolgreich und sozial abgesichert, lebt aber mit einer inneren Leere, die nur Allah kennt! Und wie mancher wirkt äusserlich unscheinbar und hat doch einen hohen Rang bei Allah![7]

Ramadan soll dich nicht nur zu mehr guten Taten bewegen, sondern zu einer wirklichen Veränderung. Wir sind Menschen, lernen und machen Fehler. Dennoch kann jeder mit etwas Neuem aus dem Monat hervorgehen. Die Veränderung kann deine Zunge betreffen: Du nimmst dir vor, niemanden mit einem Wort zu verletzen. Sie kann deinen Zorn betreffen: Du hältst dich zurück, wenn du gereizt wirst. Sie kann dein Gebet betreffen: Du gehst vom Aufschieben zur Beständigkeit über. Sie kann deinen Umgang mit dem Koran betreffen: Du gibst ihm eine feste Zeit, die nicht verdrängt wird. Veränderung ist kein gefühlsgetragener Entschluss in einer bewegenden Nacht. Sie ist eine praktische Verpflichtung, die nach dem Fest weitergeht.

Allah sagt sinngemäss: «Dem Menschen wird nur zuteil, wonach er strebt.» Wir bitten Allah um Gelingen und nutzen die Hilfen, die uns unterstützen: Menschen, die uns erinnern, eine feste Zeit für den Gottesdienst und Abstand zu Situationen, die uns zum Fehler verleiten. Warten allein verbessert keine Gewohnheit. Ein Entschluss, der keinen Weg in den Alltag findet, droht sich aufzulösen.[8]

Zu Allahs Barmherzigkeit gehört, dass Veränderung mit einem kleinen Schritt beginnen kann. Wer das Gebet verschiebt, ordnet seine Arbeit so, dass er für dessen Zeit bereit ist. Wer gegenüber der Familie zornig wird, vereinbart mit ihr eine Pause zum Beruhigen, bevor das Gespräch weitergeht. Wer Stunden am Telefon verliert, setzt sich eine Zeitgrenze. Danach fragt er sich: Was hat mir geholfen, und was muss ich morgen anpassen?

Wähle in dieser Woche eine klare Sache: eine Sünde, die du lässt, eine gottesdienstliche Handlung, bei der du beständig bleibst, oder ein Recht, das du erfüllst. Sage nicht nur: Ich werde besser. Benenne den Schritt und bestimme seinen Platz in deinem Tag. Bitte Allah um Hilfe und beginne nach jedem Stolpern erneut. Im Lauf der Tage trägt die kleine Veränderung Früchte, die deine Familie bemerkt, bevor du darüber sprichst.

Lass deine Selbstprüfung nicht zu Selbstverachtung oder zum ständigen Vergleich mit anderen werden. Schau auf das, was du heute verbessern kannst. Danke Allah für das Gelingen und bitte Ihn um mehr. Vielleicht hilft dir ein guter Weggefährte, der dich freundlich erinnert. Ihr könnt einander in der Beständigkeit unterstützen, ohne Kontrolle hinter dem Rücken oder Beschämung.

Wir hoffen, dass von Ramadan etwas in unserem Umgang mit Menschen und in unserem Gebet bleibt, auch wenn seine Tage vorüber sind.

O Allah, Du hast uns Ramadan erreichen lassen. Lass ihn nicht nur flüchtig an uns vorübergehen, sondern mache ihn zum Beginn einer wirklichen Veränderung in unseren Herzen. O Allah, verändere in uns, was Dich zufriedenstellt, läutere unsere Seelen und bessere unser Inneres. Bewahre uns vor dem Feuer und vergib uns, unseren Eltern und allen Muslimen. Du bist wahrlich hörend und nahe.

Quellen
1. Koran, al-Baqara 2:183.
2. Sahih al-Buchari, Hadith 1903.
3. Koran, an-Nur 24:22.
4. Sahih al-Buchari, Hadith 4750.
5. Koran, ar-Ra'd 13:11.
6. Sahih al-Buchari, Hadith 1894; Sahih Muslim, Hadith 1151.
7. Koran, asch-Schams 91:9–10.
8. Koran, an-Nadschm 53:39.

Leitgedanke
Wir hoffen, dass Ramadan unser Gebet und unseren Umgang mit Menschen prägt und seine Wirkung über den Monat hinaus bleibt.

Vorgeschlagene Ziele
Verstehen: Gottesfurcht ist das Ziel des Fastens und wirkt sich auf Charakter und die Rechte anderer aus.
Empfinden: Auf die eigene Besserung hoffen, statt sich den Gewohnheiten zu ergeben.
Handeln: Eine klare Veränderung wählen, daran festhalten und nach Rückschlägen wieder beginnen.

Gliederung
1. «Damit ihr gottesfürchtig werdet»: vom Gottesdienst zu seiner Wirkung auf Entscheidungen.
2. Fasten, die Zunge hüten und Rechte erfüllen.
3. Vergebung trotz Verletzung: die Offenbarung als Wegweisung für unsere Reaktion.
4. Die Seele läutern und Erfolg umfassender verstehen.
5. Ein bestimmter Schritt, der über den besonderen Monat hinaus Bestand hat.

Weitere Gedanken und Beispiele
Die predigende Person wählt aus den folgenden Gedanken und Beispielen, was zu Thema, Publikum und verfügbarer Zeit passt.

Erstens: Weitere mögliche Gedanken

1. Fasten ist Gottesdienst und prägt das Verhalten. Wenn wir jemanden falsch behandeln, rechtfertigen wir den Fehler nicht mit Hunger, sondern machen ihn gut und setzen unser Fasten fort.

2. Gewohnheiten verändern sich nicht allein durch Begeisterung. Wer nachts lange am Telefon bleibt, muss es vielleicht vor dem Schlafen ausser Reichweite legen, statt sich jeden Morgen nur Vorwürfe zu machen.

3. Ein Fehltritt macht den Versuch nicht wertlos. Einmal beherrscht ein Mensch seinen Ärger, ein anderes Mal überwältigt er ihn. Er entschuldigt sich und bemüht sich erneut.

4. Die Familie bemerkt die Wirkung des Gottesdienstes besonders gut. Vielleicht braucht sie ein weniger hartes Wort oder Unterstützung in einer hektischen Stunde.

Zweitens: Praktische Beispiele aus dem Alltag

1. Jemand kommt kurz vor dem Fastenbrechen müde und hungrig nach Hause. Er ärgert sich über eine normale Frage oder eine kleine Verzögerung. Die Familie ist vorsichtig, damit das gemeinsame Essen nicht im Streit endet.

2. Ein Händler achtet genau auf den Beginn der Fastenzeit, verschweigt aber einen ihm bekannten Mangel seiner Ware. Der Käufer entdeckt ihn nach dem Kauf und merkt, dass er nicht vollständig informiert wurde.

3. Nach dem Tarawih-Gebet bleibt jemand lange am Telefon und kommt dann nur schwer zum Morgengebet aus dem Bett. Das wiederholt sich. Er beginnt den Tag müde, verärgert über sich selbst und über die knappe Zeit.

4. Eine Ramadanpredigt bewegt einen Menschen. Er verspricht seiner Familie, weniger schroff zu sein. Als der Druck bei der Arbeit wächst, schreit er wieder. Die Familie spürt, dass das Versprechen ihren Alltag nicht erreicht hat.

5. Das Ramadanprogramm der Moschee ist voll, und viele Aufgaben lasten auf wenigen Freiwilligen. Die Menschen setzen sich zum Fastenbrechen. Manche, die es vorbereitet haben, hatten selbst nicht genügend Zeit, bei ihrer Familie zu sitzen.

6. Nach Ramadan verschwindet die feste Zeit für den Koran, und das Gebet wird wieder aufgeschoben. Ein Mensch fühlt, dass ihm der Monat gutgetan hat, findet davon aber nach dem Fest nichts in seinen Gewohnheiten wieder.
